Miriam liest: Henning Mankell | Tea Bag, ein Buch über Flüchtlinge in Europa

Über Flüchtlinge hört, liest und spricht man ja in den letzen Monaten sehr oft. Fast täglich wird man damit konfrontiert, sei es in den Nachrichten oder Schlagzeilen unseriöser Zeitungen. Oft geht es um Fakten, es werden Zahlen genannt oder verdrehte Wahrheiten verbreitet. Es geht selten um die Menschen dahinter. Henning Mankell hat sich schon 2005 mit dem Thema auseinandergesetzt und mit seiner Afrika Reihe einige Einblicke in (für mich) fremde Welten geschaffen. Für mich ist das Lesen eine wunderbare Möglichkeit mehr zu verstehen und in fremde und ungewohnte Situationen einzutauchen.

Der Roman „Tea Bag“ von Henning Mankel handelt von drei Einwanderinnen und einem schwedischen Autor, einem Intelektuellen, der Gedichte schreibt, die wenige Menschen verstehen und die sich nicht verkaufen. Er nimmt sich selbst sehr wichtig und ist ein unsympathischer Neurotiker. Am Anfang fiel es mir etwas schwer in das Buch hineinzukommen. Die Geschichte von Tea Bag, mit der das Buch beginnt, ist spannend und ergreifend geschrieben – es geht aber dann weiter mit dem Leben des Autors, Jesper Humlin und den mochte ich einfach nicht so gerne. Sein Charakter hat etwas, das ich nur schwer nachvollziehen kann: einen stark ausgeprägten, maskulinen Egoismus. Im Laufe des Buches erhält er einige „Schellen“ und man kann über ihn lachen. Ich muss ehrlich sein: der Text auf dem Rücken des Buches hat mir mehr von den Geschichten der Mädchen versprochen. Die Mädchen bleiben ein bisschen ein Geheimnis – so wie wir Europäer wahrscheinlich immer Flüchtlingsgeschichten als etwas weit entferntes wahrnehmen werden. Von daher ist es sicher die richtige Wahl gewesen, hier nicht Stories zu erzählen, die ein Westler nicht erzählen kann.

Trotzdem hat mich das Buch aufgeweckt – mir die Möglichkeiten gezeigt, wo Menschen versteckt leben und was sie alles durchgemacht haben. Ich kann es durchaus empfehlen: man sollte keinen reinen Erlebnisroman erwarten oder sich erhoffen am Ende des Buches begreifen zu können, was da gerade passiert. Aber wie könnte es das? Man kann ein Buch erwarten, dass die Absurdität der Situation aufgreift: Die Kontraste zwischen unseren Welten und die Stärke von flüchtenden Frauen, die keine Opfer sind – sondern kämpfen.

 

 

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